„Man trägt halt so eine Sehnsucht in sich….“

Mit Monika Drasch auf Spurensuche

Von Sascha Ruck

Utting – „Ich möchte Menschen berühren mit meiner Musik. Im Suchen über das Leben etwas lernen, auch was bewegen. Durchs Hinspüren auf das Gegenwärtige und im Wühlen in Archiven. In Freiheit, vor allem aber mit Mut neue, eigene Wege suchen, finden und gehen. Man trägt halt so eine Sehnsucht in sich…“, sagt Monika Drasch.

Man glaubt es der rothaarigen Musikpoetin aus Utting sofort. Es genügt bereits ein Blick auf ihr künstlerisches Schaffen, um festzustellen, dass hier jemand nicht müde wird, immer wieder Grenzen auszuloten, Spuren zu suchen und längst vergessene oder verlorene Text- und Musikschätze auszugraben, um sie, teils ungeschliffen, teils modernisiert in die Gegenwart zu transportieren. Zwischen herzlicher, musikalischer Ausgelassenheit und tiefgründigem Sinnieren verbindet Monika Drasch seit vielen Jahren traditionelle Musik mit neuen Klangideen, klassische Texte mit Dialekt und Wortwitz oder auch historisch-kulturelle Themen mit niederbayerischen Arien, Gstanzln und Jodlern.

Die grüne Geige

Aufgewachsen als Bauerstochter und Klosterschülerin in dem kleinen Weiler Hub bei Hengersberg, begann sie – wahrscheinlich genau deswegen – im zarten Erwachsenenalter als rothaariger, lederbedresster Vamp mit grünen Strümpfen, grüner Geige und niederbayerischer Mundart Bühnen im In- und Ausland unsicher zu machen. Noch heute gilt Monika Drasch als eine der Wegbereiterinnen neuer, schräger Volksmusik. Zusammen mit ihrem unverwechselbaren Gesang ist die grüne Geige noch immer ihr Markenzeichen und war es bereits in den 1990er-Jahren beim Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn und später dann auch an der Seite von Hubert von Goisern und Hans Well. 2012 gründete sie dann endlich ihre eigene Band, das „Monika Drasch Quartett“ und überraschte, nein, begeisterte nur ein Jahr später Kritiker und Publikum mit dem Album „Auf der böhmischen Grenz“, bei dem sich Volksmusik mit Dreiklangseligkeit, klassischer Kammermusik und Jazzklängen vereinen. Ein echtes Kunstwerk! Mal himmelhochheilig, mal frech, frisch und hinterfotzig. Zumal hier mehr wie deutlich wurde, dass die Multiinstrumentalistin nicht nur wie bisher vorrangig Geige spielt, sondern auch Zither, Saxophon, Drehleier, Blockflöte, Dudelsack und so einiges mehr.

Die Spurensucherin

Zwischen und neben ihren Hauptprojekten kramt Monika Drasch aber immer auch ihre tiefe Zuneigung zu fast vergessenen Kulturjuwelen hervor, indem sie in Archiven versinkt, sich auf Spurensuche begibt und weitere Herzensprojekte in Angriff nimmt: Etwa Texte von Napoleon Bonaparte, literarische Auseinandersetzungen mit der niederbayerischen Dichterin Emerenz Meier oder auch altbayerische Marienverehrungen beziehungsweise bayerische Urformen des lutherischen Protestantismus. Vieles davon wird zusammen mit dem Münchner Schriftsteller Gerd Holzheimer zu klangvollen Bilderbüchern umgesetzt und schenkt uns eine neue und faszinierende Art, Kultur verschiedener Zeiten und Gesellschaftsschichten auf unterhaltsame Weise zu erleben. Ihre „Spurensuche“ würdigte im vergangenen Jahr auch das Kulturreferat der Stadt München, welches Monika Drasch den Innovationspreis Volkskultur 2016 verlieh.

Die aktuellen Projekte

Heimat. Das nie endende Thema. Die Frage nach dem Woher und Wohin beschäftigt Monika Drasch schon lange, weswegen sie zusammen mit dem Zithervirtuosen Georg Glasl daran arbeitet, all das auf einer CD zusammen zu fügen, was scheinbar nicht zusammenpasst: Ein Lied übers Bauernhofsterben, Denkmalschutzpolka, Ländler von Schubert, neutönende Zitherklänge, hier ein Marienlied, dort Texte zur Sünde aus den Stubenberger Handschriften, einem niederbayerischen „Geistlichen Gesängerbuch“ aus der Zeit der Aufklärung – demnächst unter “Volkskulturkollektiv Drasch-Glasl“ im Handel erhältlich und live auf der Bühne zu erleben.

Wer in der bevorstehenden Adventszeit vorhat, den Münchner Christkindlmarkt am Marienplatz zu besuchen, könnte dies ja an einem der Donnerstage tun: Am 30.11., 07.12., 14.12. und 21.12. ist Monika Drasch zusammen mit Traudi Siferlinger und Johann Zeller beim Weihnachtslieder-Singen unterm Christbaum anzutreffen. Immer um 17.30 Uhr.

Ferner plant die Musikerin, sich für das bündnisgrüne „Volksbegehren gegen Flächenfraß“ zu engagieren. Ein Thema, welches der Uttingerin sehr auf der Seele liegt. Kein Wunder, in Bayern verschwindet aufs Jahr gesehen etwa die Fläche des Ammersees unter Beton und Asphalt! Das bedrückt sie und will `raus. Oder wie Monika Drasch selbst einmal meinte: „ Für mich ist Jodeln die Möglichkeit, einfach mal ungestraft einen lauten Schrei zu tun!“.

 

(Alle Infos, alle Termine: www.monikadrasch.de)